„Können wir mal Ihre Kirche sehen?“ Drei Personen standen hinten im Garten und hatten von der Nachbarin den heißen Tipp bekommen bei uns doch mal wegen der Kirche zu fragen. Ich kam gerade aus dieser, hatte nach dem Mittagsgebet um 12.00 Uhr und nach der Kirchenführung mit einem Brautpaar um 14.00 Uhr gerade den Kirchenschlüssel wieder an den Haken gehängt um nun meinerseits im Garten bei dem schönen Wetter ein wenig abzuhängen. Aber da ich selber mich immer sehr freue, wenn ich an einem Urlaubsort die Möglichkeit habe die hiesige Kirche zu besuchen, war es natürlich keine Frage den Kirchenschlüssel wieder zu holen und die drei zur Kirche zu führen. „Sie sind also der Pfarrer hier?“ – stellte einer der drei fest und meinte dann: „Dann sind wir also Kollegen!“

Da habe ich mich lange hier nicht zu Wort gemeldet! Puh, ich habe erst mal getragen, ich kann euch sagen. Wenn mal schnell eine halbe Million Menschen aus dem „Verein“, der mir so wichtig ist und am Herzen liegt, austreten…Das muss man erst mal sacken lassen! Eine halbe Million! Ja, es kam nicht so überraschend, die Ergebnisse der Kirchenmitgliedschaftszahlen von 2019 haben sich ja angekündigt, und wir merken es hier oben in unseren Gemeinden ja auch: Kaum eine Sitzung, in der nicht ein oder mehrere Schreiben vom Amtsgericht zur Kenntnis gegeben werden, dass da jemand die Kirche verlassen hat. Manchmal sind es uns eher unbekannte Namen, Menschen, die erst zugezogen sind. Manchmal sind es Namen von Menschen, die wir kennen. Kürzlich trat jemand aus, von dem ich weiß, dass ihm Glauben und Kirche nicht egal sind.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römerbrief 12,21)

Es hat mich etwas Überwindung gekostet, o ja. Nach längerer Zeit wieder das Geschäft zu betreten, wo ich früher oft und sehr gerne gewesen bin. Mit der ganzen Familie waren wir da bekannt. Immer gab es einen netten Schnack mit dem Chef. Und dann war mal etwas vorgefallen. Eine unserer Töchter war dort nicht so nett behandelt worden. So empfanden zumindest wir sicher sehr parteiischen Eltern es, als unsere Tochter uns daheim die Sachlage schilderte. Und es war Funkstille. Wir mieden das Geschäft. Familiäre Solidarität nennt man so etwas wohl. Aber irgendwann dachte ich: Ach, das ist jetzt eine Weile her.

Wie, ihr habt noch keines? Immer noch nicht? Puh, jetzt wird es aber knapp. Ich meine – das große Fest steht ja fast schon vor der Tür. Und auf den letzten Drücker sich ins Einkaufsgewühl zu stürzen, ist ja auch nicht so prickelnd. Zumal in Coronazeiten! Ja, es ist nur noch – ein halbes Jahr hin! Heiliger Abend! Weihnachten! Also kommt in die Puschen! – Wobei , ich gebe es zu, bei diesem schönen Wetter draußen ist es mir auch noch nicht gelungen meine Gedanken für die Weihnachtspredigt zu sammeln oder über ein Krippenspiel der Kinder nachzudenken. Was wird überhaupt gehen in diesem Jahr, wo alles so anders ist als sonst? Heute ist jedenfalls der 24. Juni. Im Heiligenkalender Geburtstag von Johannes dem Täufer. Von ihm stammt der fälschlicherweise viel zu oft den Machern der „Brigitte“-Diät zugeschriebene Slogan: „Ich muss abnehmen“. Er soll diesen Satz im Blick auf Jesus gesagt haben: „Er muss wachsen – ich muss abnehmen.“ Johannes, dessen Mutter Elisabeth mit Maria, der Mutter Jesu verwandt war. Und beide Mütter waren zeitgleich schwanger. Elisabeth überraschenderweise in ihrem vorgerückten Alter, die gar nicht mehr mit einem Kind gerechnet hat. Und Maria überraschenderweise, als unverheiratete Frau, durch den Heiligen Geist, so beschreibt die Bibel das Wunder.

Eine Woche ist es nun her. Als ich dieses ganz besondere Päckchen erhielt. An mich adressiert. An den Pastor – persönlich! Das klang gewichtig und geheimnisvoll. Zumal kein Absender zu erkennen war. Es fühlte sich an wie ein Geschenk! – Nun müsst ihr wissen, dass wir im Pastorat ziemlich viel Päckchen und Pakete bekommen. Unser armer Postbote, der sie zu schleppen hat, kann davon ein Lied singen! Längst nicht alle sind dienstlich. Aber meistens sind die privaten an meine Mädels adressiert. Die eine bestellt Tierbedarf. Die andere bestellt Klamotten ohne Ende, von denen die Hälfte dann nicht passt und wieder zurückgeschickt wird. Und meine Frau wiederum ist bei Ebay und außerdem in so vielen sozialen Foren im Internet unterwegs, und da wird sich ausgetauscht, Bastelbedarf, Strickwaren und so vieles mehr. Es ist also nichts Ungewöhnliches, dass bei uns Päckchen und Pakete eintrudeln, aber dieses eine nun war wirklich an mich adressiert. An mich ganz allein und unmissverständlich: An den Pastor persönlich!

Fronleichnam ist heute. Katholischer Feiertag. 1246 das erste Mal gefeiert. Eine Frau „erfand“ dieses Fest, Juliana von Lüttich, als sie eines Nachts den hellen Vollmond an einer Stelle verdunkelt vorfand und von Christus selber die Erklärung bekommen haben soll: Es fehlt ein Abendmahlssakrament. Es gibt so viele Feste in der Kirche – aber keines, bei dem wir Gott für das Abendmahl, die heilige Kommunion, danken. Und so wird seither in vielen katholischen Gegenden am Fronleichnamstag in einer feierlichen Prozession die Abendmahlsgeräte mit dem heiligen Abendmahl zur Anbetung durch die Straßen getragen. Ich habe den Fronleichnamstag immer sehr geliebt. Als Kind schon.Fronleichnam ist in meiner hessischen Heimat ja ein staatlich geschützter Feiertag. So hatten wir Schülerinnen und Schüler kurz vor Beginn der Sommerferien noch ein letztes verlängertes freies Wochenende.