War das besonders gestern! Wie ein Revival aus einer längst vergangenen Zeit, nur noch schöner! Wir durften gestern Gottesdienst feiern – ich meine, ja: Gottesdienst, so ohne eine dreiviertel Stunde mit dem Mundschutz zu kämpfen, der einem das Atmen schwer macht, denn bei Open-Air-Gottesdiensten besteht keine Mundschutzpflicht mehr, wenn die Abstände eingehalten werden können. Und wir durften: mitsingen – also nicht einfach innerlich, mit dem Herzen, auch nicht einfach mitsummen unter besagtem Schnutenpulli, auch nicht nur Playback ohne Ton, nein, mit richtigem Auf- und Zumachen des Mundes und Herauslassen der Töne. Richtig ungewohnt war das, und wir wollten es auch nicht übertreiben, sangen leise mit, aber sangen eben: Wie lieblich ist der Maien. Oder: Geh aus mein Herz und suche Freud. Ja, es war Gottesdienst, wie wir ihn von früher her kannten, nur die Gartenstühle auf dem schönen Platz auf dem Neugalmsbüller Friedhof waren weiter auseinandergerückt, aber gerade so füllten sie den ganzen Platz dann auch aus.

Und die Desinfektionsflasche, mit der Anne und Anke, unsere Küsterinnen, am Zugang zum Platz bereit standen und die Namensliste, die sie führten, das alles war gar nicht störend. Der Himmel, in den wir etwas öfter als sonst schauten, ging es doch immerhin um die Geschichte von Jesu Himmelfahrt, war strahlend blau, und das Schönste waren die Vögel! Franz von Assisi hatte recht! Vögel können uns wirklich verstehen! Vor allem, wenn es um religiöse Inhalte geht, eben um das Evangelium. Darum hat Franz von Assisi doch sogar den Fischen und Vögeln gepredigt. Gestern war es eindeutig: Wir sangen die erste Strophe von „Wie lieblich ist der Maien“, und da heißt es: „Die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.“ – Und sie kriegten sich gar nicht mehr ein. Die Vögel. Sie fingen an mitzusingen, und sie lobten den ganzen Gottesdienst über Gott mit Freud. Sogar der Kuckuck war gut herauszuhören, wie er immer wieder seinen Gesang anstimmte. Wer da vielleicht bei meiner Predigt irgendwann nicht mehr so aufmerksam zuhörte und lieber den Vögeln lauschte, der hat dann mindestens genauso viel aus dem Gottesdienst mitgenommen: Vögel, die ihren Schöpfer loben und uns einladen: Tut es auch! Gerade in schwierigen Zeiten! Das dürfen wir: Vertraut, dass Gott da ist, dass er niemanden alleine lässt, dass er um uns ist, keinerlei Kontaktsperren zu uns einhalten muss und auch nie einhalten würde, weil er es auch nicht braucht. Er ist da und lässt uns jetzt manches ganz neu erleben, mit mehr Dankbarkeit: Singen. Etwas mehr Gemeinschaft: Mit welcher Freude haben sich Gottesdienstbesucher gestern begrüßt, mit Abstand, Zuwinken, aber doch so viel Strahlen, endlich mal wieder zusammenkommen zu dürfen! Gott kommt um uns zu helfen durchzuhalten, neue Freiheiten zu genießen, aber dennoch vorsichtig zu bleiben, vor allem rücksichtsvoll, an einem Strang zu ziehen, dass wir gemeinsam diese schwere Zeit bestehen! Gott kommt uns zu stärken, uns spüren zu lassen: Himmel, das ist nicht unendlich weit weg von dir. Himmel, das ist neben dir, um dich herum, in dir: wo immer du Gott aufnimmst, wo immer Gott zu dir kommen darf, wo immer du mit Liebe zu anderen kommst. Da wächst das Himmelreich auf Erden, und es kann wachsen sogar in der Coronazeit! Die Vögel loben Gott – lasst es uns genauso tun und etwas Himmel auf der Erde aussäen! Morgen übrigens will ich hier unbedingt endlich schreiben, warum sich so viele bunte Kreidepakete im Pastorat türmen und auf Abnehmer warten. Also, liebe Kinder, wenn ihr gerne malt und mir helfen wollt, dann lest unbedingt morgen, was es mit dieser Kreide auf sich hat, und meldet euch dann bei mir!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald!

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