Tat das gut! Nach Wochen der Absagen oder Aufschüben auf das kommende Jahr von Taufen, Hochzeiten, Konzerten, Festen hat es mich jetzt innerhalb von 24 Stunden gleich dreimal anders herum erreicht: erst kam eine Taufanmeldung für August, dann am Abend ein Taufgespräch für eine Taufe auf Südwesthörn im Juni und eben die erste Vorbesprechung für das Rausschmeißerfest in der Kita: Nur im kleinen Kreis in diesem Jahr, mit den Kindern, die in die Schule wechseln, aber eben doch mit Andacht und vor allem: dem Schubkarren-Rauswurf, von dem alle noch Jahre später träumen! – Da hat uns ganz viel Leben wieder, und das fühlt sich richtig gut an! Wir können nicht alles verschieben oder ausfallen lassen – umso dringlicher ist es dann, andere, „coronagerechtere Formen zu entwickeln! Unsere Kita ist da mit einem tollen Team und tollen Eltern gut vorangekommen. Der Plan stand jetzt bis zu den Ferien, dass aus zwei Gruppen vier kleinere Gruppen wurden, die im Wechsel, immer zwei pro Woche, jetzt wieder in die Kita kommen dürfen.

Die Wege sind mit Bildern markiert, dass jede Gruppe weiß, wo und wie sie durchs Gebäude geht und sich auch draußen im Freigelände bewegt, um die Abstandsregeln auch zu der anderen Gruppe einhalten zu können. Alles gut geplant und vorbereitet für die kommende Woche! Und an der Stelle ein großes Dankeschön an alle, die hier am Gestalten, Planen, Sich-Einbringen beteiligt sind. Wir sehen das ja gar nicht: wie sich Lehrende, Erzieherinnen und Erzieher, Reinigungskräfte, Küchenpersonal, Elternvertreterinnen und –vertreter, Bürgermeister, politische Abgeordnete und andere Gedanken machen, bis weit in die Nächte hinein Pläne entwerfen, besprechen, wieder umwerfen, neue Richtlinien studieren und versuchen alles, was geht, möglich zu machen und gleichzeitig den Abstands- und Hygieneanforderungen gerecht zu werden. Euch allen, für die vielleicht in diesen Zeiten noch gar nicht geklatscht wurde oder das letzte Klatschen schon viel zu lange her: Habt vielen lieben Dank!!! Umso überraschender die heutige Zeitungsnotiz : ab 8. Juni haben Grundschüler wieder täglich Unterricht – im Klassenverband, und ohne Abstandsregeln! Hupps! - Es folgt die Ankündigung, dass auch die außerschulischen Bildungsangebote ab 8. Juni „umfassend“ wieder stattfinden können. Und dass die Kitas ab 29. Juni in den „Regelbetrieb“ wechseln. Hm. Regelbetrieb. Umfassende Kinder- und Jugendarbeit. Keine Abstandsregeln mehr. Das klingt ja wie aus einer ganz anderen, längst vergessen geglaubten Welt. Nur: fehlt mir diesbezüglich noch ein wenig die Überzeugung! Gibt es jetzt neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Kinder keine Überträger sind – hab ich da eine Talkshow verpasst? Oder ist der Impfstoff gefunden? Oder ist die Not einfach so groß in den Familien und der Wunsch so drängend, endlich wenigstens in Schulen und Kitas wieder etwas mehr Normalität hineinzubekommen? Verstehen kann ich das so gut, wie hab ich mich über meine zwei angekündigten Taufen gefreut! Und doch bleibt bei mir, ich gestehe es, etwas Zweifel, ob dieser straffe Zeitplan und die große Ankündigung der durch die Existenz des Virus gegebenen Situation wirklich ganz gerecht wird. Angesichts der mühsamen Ausrechnerei in Gaststätten, Behörden, Konzertsälen und Kirchen, welcher Raum wie viel Platz hergibt, mit Abstandshaltung, versteht sich! Und der Beschränkung von Besuchen noch immer auf maximal zwei verschiedenen Familien unter einem Dach. Mal schauen, was diese Zeitungsmeldung nach sich zieht und wie die konkrete Umsetzung aussehen wird! - Die Tageslosung heute ist so ein Schrei nach Veränderung, nach dem Anbruch einer neuen Zeitrechnung wieder mit Hoffnung, Kinderlachen, Besuchen und Nähe: „Wende dich, Gott, zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend.“ (Psalm 25,16).

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald