1+1+1= 1. Sie ist schon etwas eigenwillig, die Mathematik unseres christlichen Glaubens. Herkömmliche Taschenrechner sind damit völlig überfordert, und unsere Kopfrechenkünste bringen uns auch nicht wirklich voran. 1+1+1=1. Wer liebt, der wiegt dagegen bedächtig den Kopf: Na ja. Das ist schon mal so. Dass zwei, die sich lieben, so sehr miteinander verschmelzen, dass sie sich eins fühlen, auch wenn sie noch immer zwei sind. Und in einer Familie, die ganz eng zusammenhält und über Höhen und Tiefen und viele Herausforderungen des Lebens nur noch mehr zusammengerückt ist, sind dann womöglich sogar drei oder vier wie eins…- Und das ist wohl genau der richtige Ansatz um auch die besondere Mathematik unseres Glaubens zu verstehen.

Ja, es ist Gott Vater und Mutter, Schöpferin allen Lebens: die 1. Und es ist der Sohn, das Kind Gottes, Jesus, der Mensch, wie wir, der unser Leben teilt, lebt, liebt, leidet und stirbt. Unser Scheitern, unseren Schmerz, unsere Schuld auf sich nimmt, an sich trägt: er ist die 2, die doch die 1 ist: Ganz Gott und doch Mensch und Heiland und Retter. Und es ist die Geistin – ja, der heilige Geist ist in der Sprache der Bibel weiblich! – es ist die Geistin, die Art, wie Jesus, sein Heil, sein Leben, seine Liebe in uns Gestalt annimmt, wie wir seine Gegenwart spüren und die Gegenwart des Vaters, der Schöpferin und Urheberin allen Lebens in uns: es ist der Heilige Geist, die 3 unseres Glaubens, die doch zugleich die 2 und so auch die 1 ist. Kompliziert – oder nachvollziehbar? Auf jeden Fall ein Geheimnis des Glaubens, das allemal. Also noch einmal: nein, wir glauben nicht an drei Götter, sondern an den einen lebendigen Gott. Aber das Besondere ist, dass Gott in sich ein Gott im Team ist, kein Gott für sich. Gott liebt nicht nur die Begegnung mit uns Menschen, das Zusammensein mit seinen Geschöpfen. Gott ist auch für sich selbst schon ein Gott in Beziehung. Gott ist Liebe, und Liebe sucht den, die, die sie lieben kann. Da ist die Liebe des Vaters zum Sohn und zum Geist und umgekehrt. Gott ist der eine Gott , aber voller Dynamik und Energie und Liebe. Und er zeigt sich uns in drei ganz besonderen Energiefeldern: Lebensspenderin und Weltgestalter, Weltenlenker auf der einen Seite. Und dann Gott, der sich in uns selbst zu erkennen gibt, die aufregendsten Geschichten uns schenkt: Weihnachten, Ostern und all die Worte und Taten, die Jesus vollbringt: Gott in uns, Gott im Menschen: eben der Sohn, das Kind, Gottes zweites Energiefeld. Und dann ist da noch Gott der Geist. Gottes Kraft in uns hier und jetzt. Erleuchtung, Tröster, Ideengeber, Hoffnungsspender, Todbezwinger, Weltvollender: eben Gott in seinem dritten Energiefeld, Gott als Heiliger Geist, aber bitte nicht vergessen: weiblich, die heilige Geistin! Hm. Ihr runzelt die Stirn. Denkt: das war jetzt aber nicht sehr erhellend? Dann bin ich mal wieder groß gescheitert beim Erklären dessen, was göttliches Geheimnis ist. Na gut. Noch ein Versuch: Wir glauben an einen Gott. Aber dieser Gott ist voller Dynamik und Liebe. Schöpfer – Kind – Geist. Gott, der uns liebt, der uns begegnet, von dem wir leben, der in uns lebt, bei dem wir Heimat haben. Punkt. Morgen ist der Sonntag Trinitatis. Wir feiern Gottesdienst. Wir wollen nicht das Geheimnis des Glaubens erklären. Das Geheimnis der Trinität, der Dreieinigkeit. Wir wollen feiern: Gott und das Leben und die Kraft göttlicher Liebe, die allem trotzt und aller Not, allen Sorgen, auch einer Pandemie etwas entgegensetzen kann. Gott, der dich liebt mit allem, was er hat! Und das zählt wirklich! In dem Sinne. Bleibt behütet an diesem Wochenende und in all der Zeit, die kommt! Euer Pastor Gerald