Fronleichnam ist heute. Katholischer Feiertag. 1246 das erste Mal gefeiert. Eine Frau „erfand“ dieses Fest, Juliana von Lüttich, als sie eines Nachts den hellen Vollmond an einer Stelle verdunkelt vorfand und von Christus selber die Erklärung bekommen haben soll: Es fehlt ein Abendmahlssakrament. Es gibt so viele Feste in der Kirche – aber keines, bei dem wir Gott für das Abendmahl, die heilige Kommunion, danken. Und so wird seither in vielen katholischen Gegenden am Fronleichnamstag in einer feierlichen Prozession die Abendmahlsgeräte mit dem heiligen Abendmahl zur Anbetung durch die Straßen getragen. Ich habe den Fronleichnamstag immer sehr geliebt. Als Kind schon.Fronleichnam ist in meiner hessischen Heimat ja ein staatlich geschützter Feiertag. So hatten wir Schülerinnen und Schüler kurz vor Beginn der Sommerferien noch ein letztes verlängertes freies Wochenende.

Meist ging es mit meinen Eltern am Fronleichnamstag wandern, mit Picknick im Rucksack dabei – und nachmittags gab es die gute selbstgebackene Erdbeertorte! – Später, schon im Pfarramt, genoss ich diesen rein katholischen Feiertag auch: war es doch mal ein Feiertag, an dem ich als evangelischer Pastor dienstfrei hatte, ausschlafen konnte, Ausflüge machte. Also, nicht, dass ich es nicht genieße, wenn Gottesdienst ist - ich freue mich auf diesen Dienst. Aber so ein rein katholischer Feiertag war eben auch mal ein ganz besonderes Geschenk! Und in meiner letzten Gemeinde, in der ich war, gab es einen besonders schönen Brauch an Fronleichnam: einer meiner besten Freunde dort, der ortsansässige Bestatter, hatte mit drei Kameraden eine kleine Band, Trompete, Klarinette, Saxophon. Die spielten Volkslieder und Kirmeslieder bei Schützenfesten und Tanzabenden. Und als die katholische Gemeinde für ihre Fronleichnamsprozession im Nachbardorf keine Musikbegleitung fand, boten sich die vier einfach an einzuspringen. Alle vier gut evangelisch, und alle vier eigentlich sonst mit ganz anderer Musik unterwegs. Aber es funktionierte bestens, und seitdem wurden sie jedes Jahr für die Fronleichnamsprozession angefragt. Das ist doch Miteinander und Ökumene, so müsste es immer laufen, statt dass wir Christinnen und Christen uns gegenseitig voneinander abgrenzen! Hier in Schleswig-Holstein ist heute kein Feiertag. Ich feierte heute mein erstes Treffen mit den neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden in Klanxbüll – endlich einmal keine Videokonferenz, sondern wir können uns begegnen! Ich denke an meine katholischen Geschwister, die heute einen ganz besonderen Tag haben. Und ich werde als evangelischer Christ erinnert, welch Geschenk das Abendmahl ist. Gerade in einer Kirche, in der viel gesprochen und gepredigt wird. Beim Abendmahl heißt es stille werden. Die Hände hinhalten. Empfangen. Als Kind haben wir in meiner Heimatgemeinde in Wiesbaden Apfelsaft und einen Keks bekommen. Den Geschmack habe ich heute noch in Erinnerung, das war so lecker - und wir gingen eben nicht leer aus, sondern bekamen wie die Großen auch etwas, kein Wein, keine Hostie, sondern Saft und Keks. Und bis heute ist es für mich immer etwas ganz Besonderes mit euch gemeinsam Hände hinhalten, empfangen, essen, trinken, schmecken, Gottes Liebe, Gnade und Vergebung richtig spüren zu können! Mich hat es etwas geschmerzt, wie deutlich evangelische Kirche nach Ausbruch der Corona-Pandemie Abendmahl einfach aussetzte. Auf völlig unbestimmte Zeit. Noch immer wird geraten lieber auf das Abendmahl zu verzichten, das etwas mit Nähe zu tun hat, bei dem Essen und Trinken herumgereicht wird. Es ist schwierig, das alles hygienisch korrekt und ganz ohne Ansteckungsgefährdung zu machen. Aber es gibt Ideen und Wege. Es gibt das Einwegabendmahl, das man im Internet bestellen kann – aus Amerika. Nicht sehr nachhaltig, zugegeben. Am Sonntag bei unserer Abschlussandacht auf dem Emmelsbüller Sportplatz baten wir jede Teilnehmende selber von daheim Brot und Trauben – Jesus spricht beim Abendmahl ja von der Frucht des Weinstocks – sich in einer Tupper mitzubringen. Und wir hielten Papiertütchen vor, die wir mit Hostie und Trauben fühlten und auf den Altar stellten, dass sich jeder eine zum Mahl an seinen Platz holen konnte, nacheinander und mit Abstand. Wenn diese Tüten unsere Küsterin vorab füllt – mit Pinzette die Hostie anpackt, die Hande desinfiziert hat, Handschuhe trägt und damit die Trauben in die Tüte legt – das ist doch nun wirklich schon ganz schön steril! Es war anders als Abendmahl sonst. Wir konnten uns am Ende auch nicht an die Hände nehmen. Aber einander die Hände hinstrecken. Das ging. Und es tat mir riesig gut mit einigen von euch und mit Gott Abendmahl feiern zu dürfen. Das Fest der Vergebung, der Nähe Gottes, der Liebe. Gott ist gegenwärtig, nicht nur im Abendmahl , in seinem Wort, in seiner Liebe, die er täglich über uns breitet. Aber wenn euch das Abendmahl einmal fehlt und ihr wünscht: Ich würde so gerne, aber momentan ist es in der Kirche ja schwierig und wird kaum angeboten. Dann ruft an. Ich komme gerne zu euch. Es muss nicht in die Häuser sein. Es kann im Sommer ja auch draußen im Garten sein. Ihr könnt Trauben und Brot vorbereiten. Ich muss da nichts anpacken. Oder ich bringe ein paar gefüllte Papiertüten von uns mit – so hygienisch abgepackt wie möglich. Und wir feiern Abendmahl. Und heute – freue ich mich auf die Konfirmandinnen und Konfirmanden. Und vielleicht gibt es heute Mittag Nachmittag zu Hause ja auch ein Stück Erdbeerkuchen. Oder etwas ähnliches. Wie früher am Feiertag! Mal schauen! Seid behütet, habt einen gesegneten Tag!